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ABSTRACTS

Vorträge bei der 29. Jahrestagung der ÖGSM

Keynote Lecture: REM Parasomnia – Ein Fenster ins schlafende Gehirn

A. Stefani
Medizinische Universität Innsbruck

Die REM Schlaf Verhaltensstörung wurde erstmalig 1986 von Carlos Schenck, Mark Mahowald und Mitarbeiter beschrieben und ist durch Vokalizationen, Jerks und motorische Verhalten im REM Schlaf, welche oft mit REM-bezogene Trauminhalt assoziiert sind, sowie durch das fehlen der physiologischen Muskelatonie im REM Schlaf gekennzeichnet.
Im physiologischen REM Schlaf generiert der Locus subcoeruleus durch eine direkte und eine indirekte Leitungsbahn eine Muskelparalyse. Der rote Nukleus aktiviert die Motoneuronen des Rückenmarks und generiert Muskel Jerks während des REM Schlafes. Diese Aktivität wird allerdings von der medullären retikulären Formation inhibiert. Bei Patienten mit REM Schlaf Verhaltensstörung funktionieren diese inhibierenden Mechanismen im REM Schlaf nicht mehr. Für das Auftreten komplexer motorischen Verhalten im REM Schlaf es gibt eine kortikale und eine Mittelhirn Hypothese. Das limbische System ist hochwahrscheinlich auch in der Pathophysiologie der REM Schlaf Verhaltensstörung involviert.
Über 90% der Patienten mit einer isolierten (ohne assoziierte Komorbiditäten oder Auslösefaktoren) REM Schlaf Verhaltensstörung entwickeln im Verlauf eine manifeste alpha-Synucleinopathy (Parkinson Syndrom, Demenz mit Lewy Körperchen oder Multisystem Atrophie). Auch bei Patienten mit longstanding isolierter REM Schlafverhaltensstörung sind α-Synuclein assoziierte Neurodegeneration-Marker häufig, hinweisend auf einer zugrundliegenden neurodegenerativen Erkrankung. Zudem könnten pathologische alpha-Synuclein Aggregate in verschiedenen Geweben (Hautbiopsie, Liquor, Riechschleimhaut, u.a.) demonstriert werden. Aus diesen Daten kann die Schlussfolgerung erzielt werden, dass die isolierte REM Schlaf Verhaltensstörung eine alpha-Synucleinopathie ist.
Die isolierte REM Schlaf Verhaltensstörung repräsentiert daher ein Gelegenheitsfenster um: i. alpha-Synuclein Pathologie in eine Frühphase zu identifizieren; ii. alpha-Synuclein Pathologie im Frühstadium und ihre Progression im Verlauf zu charakterisieren; iii. unterschiedliche iRBD Phänotypen zu identifizieren, mit unterschiedlichem Risiko von entweder Kurzzeitige Phänokonversion zur manifeste α-Synucleinopathie oder Phänokonversion zu Parkinsonerkrankung versus Demenz mit Lewy Körperchen versus Multisystematrophie. Dies gelingt durch Biomarker, welche in Krankheitsbiomarker (z.B. REM Schlaf ohne Atonie, pathologische alpha-Synuclein Aggregate in Gewebe), Progressionsbiomarker (z.B. REM Schlaf ohne Atonie, DAT-SPECT), Biomarker von kurzzeitiger Phänokonversion (z.B. Riechfunktion) und Biomarker von Phänokonversion-Typ (z.B. REM Schlaf ohne Atonie, kognitive Funktion) klassifiziert werden können.
Neuerlich würde das Konzept prodromale RBD entwickelt. Einige Studien weisen darauf hin, dass es eine Phase der Erkrankung gibt, bei der Anzeichen und Symptome von entwickelnder RBD vorhanden sind (z.B. isolierte REM Schlaf ohne Atonie, REM sleep behavioral events), welche  allerdings noch nicht die etablierte Diagnosekriterien für RBD erfüllen. Zudem sind auch bei Patienten mit isolierter REM Schlaf ohne Atonie Biomarker von alpha-Synuclein assoziierter Neurodegeneration vorhanden, und 5-9% dieser Patienten entwickeln nach 2.5-4.5 J Follow-up eine manifeste neurodegenerative Erkrankung. Diese Daten weisen darauf hin, dass prodromale RBD wahrscheinlich bereits eine alpha-Synucleinopathie darstellt.
Zum Fortschreiten der RBD Forschung sollen künftig Patienten mit iRBD besser charakterisiert werden; video-Polysomnographie Biomarkern (REM Schlaf ohne Atonie und Video) sollten öfter eingesetzt werden; unterschiedliche Biomarkern sollen kombiniert werden; neue Technologien (z.B. automatisierte Video Analyse, künstliche Intelligenz) sollten angesetzt werden; Patienten mit prodromaler RBD sollten identifiziert werden und im Verlauf gefolgt werden. Um diese Ziele zu erreichen, sind multizentrische Studien notwendig, sowie klare Richtlinien zur RBD Diagnose und RWA Identifizierung.

 

"Let’s talk about Restless Legs Syndrome" – Reden Männer und Frauen anders?

E. Holzknecht
Univ.Klinik für Neurologie Innsbruck, Schlaflabor

PatientInnen mit Restless Legs Syndrom (RLS) verwenden unterschiedliche Begriffe, um ihre Symptome zu beschreiben. Bisher wurden noch nicht untersucht, ob es dabei Gendereinflüsse gibt. Ziel der Studie war es, spontane Beschreibungen von RLS-Symptomen auf Genderunterschiede zu überprüfen.
In dieser prospektiven Studie wurden konsekutiv 100 Deutsch-sprechende RLS-PatientInnen eingeschlossen. Es wurde eine standardisierte, einzelne Frage gestellt, die Antworten digital aufgezeichnet und transkribiert. Zwei unabhängige, verblindete Untersucherinnen führten eine inhaltsbezogene linguistische Analyse an den Transkripten durch. Die Länge der Antworten und inhaltsbezogenen Elemente wurden zwischen Frauen und Männern verglichen.
In die finale Analyse wurden 98 PatientInnen eingeschlossen: 59 Frauen (60.2%) und 39 Männer (39.8%), mit einem medianen Altern von respektive 62 (23-94) und 63 (31-82) Jahren (p=0.602). Demographische und klinische Daten, inklusive Bildungsgrad und RLS-Behandlungsgruppe, waren zwischen den Gruppen vergleichbar (p>0.05). Die Anzahl der Wörter und Sätze zeigten keine Genderunterschiede (p=0.159 and 0.259 respektive), allerdings verwendeten Männer mehr Wörter pro Satz als Frauen (p=0.018). Mehr Männer als Frauen beschrieben ruheabhängige Symptome (p= 0.006) und erfolgreiche Linderungsversuche (p=0.039). Zudem fand sich eine nicht-signifikante Tendenz zu einem häufigeren Gebrauch der Ich-Perspektive in Männern (mediane Anzahl der Verwendungen = 5 (0-10.5) vs. 3.8 (0-17.5), p=0.068).
Die häufigere Erwähnung von ruheabhängigen Symptomen und erfolgreichen Linderungsversuchen in Männern könnte auf Genderunterschiede in der phänotypischen Präsentation, eine genauere Beschreibung von RLS-Symptomen oder eine höhere Selbstwirksamkeit in Männern im Vergleich zu Frauen hinweisen.

 

Parasomnie – ist das immer RBD?

A. Heidbreder
Univ.Klinik für Neurologie Innsbruck, Schlaflabor

NREM-Parasomnien werden als inkomplettes Erwachen aus dem NREM-Schlaf definiert. In der Internationalen Klassifikation der Schlafstörungen (ICSD-3, 2014) werden die meist aus dem Schlafstadium N3 auftretenden Episoden nochmals in verschieden Subtypen unterteilt: das „Confusional Arousal“, das „Sleepwalking“ und der „Sleep Terror“. Es ist unumstritten, dass es während parasomnischer Episoden zu einem elektrophysiologisch Koexistieren von Wach-Sein und Schlaf kommt. Hochauflösende EEG-Untersuchungen und auch MRT Untersuchungen zeigen, dass lokalisierte Veränderungen der Hirnaktivität und sogar strukturelle Veränderungen des Gehirns bei Menschen mit NREM-Parasomnie auch außerhalb dieser parasomnischen Ereignisse vorliegen. Diese lokalisierten Veränderungen könnten sogar erklärende Hinweise für neuropsychologische Besonderheiten in Bezug auf Persönlichkeitsstruktur und Stressverarbeitung in dieser Patientengruppe geben.

 

Schlafcoaching und Psychotherapie im Schlaf – talking down und andere Verfahren

B. Holzinger
Institut für Traum- und Bewusstseinsforschung

Diese Präsentation versucht nicht medikamentöse Behandlungsansätze bei verschiedenen Parasomnien darzustellen und Erklärungsversuche möglicher theoretischer Hintergründe dafür zu überlegen. Wir vergegenwärtigen uns zunächst die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Parasomnien, in Bezug auf Schlafstruktur, Physiologie, Ursachen, Komorbidität und Prävalenzen, rufen uns in Erinnerung, wann zur Diagnostik eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig ist und beschreiben nicht medikamentöse Behandlungsansätze, wie sie aus der Schlafhygiene bekannt sind, bis hin zur med. Hypnose.
Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf, Albträume und Albtraumstörung werden in Bezug auf nicht medikamentöse Behandlungsansätze näher beschrieben. Vorsatzbildung, Selbsthypnose und Talking Down werden im Kontext von Konzepten der Med. Hypnose beschrieben. Einige Wirksamkeitsstudien dieser werden vorgestellt und diskutiert.
Schließlich erlaube ich mir auf eine Initiative zur Erhebung von Schlaf- und Traumverhalten während und post Covid-19, ICOSS 2 – International Covid Sleep Study hinzuweisen mit der Bitte, diesen Onlinefragebogen auszufüllen und dies auch unseren KlientInnen mitzuteilen. Man findet ICOSS 2 auf der Startseite von www.traum.ac.at und unter www.schlafcoaching.org/news.

 

Wie schläft Österreich? Schlafgewohnheiten und Schlafprobleme vor und während Corona

Manuel Schabus
Universität Salzburg, Fachbereich Psychologie & Centre for Cognitive Neuroscience Salzburg (CCNS)

Im Vortrag behandle ich die Schlafgewohnheiten und Schlafprobleme der Österreicherinnen und Österreicher vor und während der Corona-Pandemie (N=968).
Es zeigt sich eine alarmierende Steigerung von Schlafproblemen vom 6-jährigen Volksschulkind bis zum Jugendlichen und älteren Erwachsenen. Die Hälfte der befragten erwachsenen Österreicher*innen schläft dabei weniger als 7 Stunden und nur 31% klassifizieren sich selbst als „gute Schläfer“.
Veränderungen durch die Corona-Pandemie und Lockdown-Maßnahmen finden sich zudem über unterschiedliche Kulturkreise (Österreich/Deutschland, Brasilien, Griechenland, Kuba, Ukraine) und zeigen zum einen eine große Beunruhigung durch die Pandemie (78% der Befragten). Zudem sehen wir bei nicht-Systemrelevanten Jobs ein konsistent späteres zu Bett gehen und eine Verlängerung der Schlafzeiten an Werktagen (13min täglich) die in der Summe zu einem verminderten „social jetlag“ führen. Personen in System-relevanten Jobs gehen zwar auch später zu Bett und stehen später auf zeigen aber an Werktagen keine Schlafverlängerung und an freien Tagen sogar eine Verkürzung der Schlafzeiten (vgl. Florea et al., 2021); insgesamt zeigt sich auch bei ihnen eine Verringerung des „social jetlags“ wenn auch in kleinerem Ausmaß.
Kulturelle Unterschiede finden wir nur genereller Natur im dem Sinn das Personen in Griechenland und der Ukraine später zu Bett gehen und aufstehen als die anderen untersuchten Kulturkreise.
Bei den Kindern und Jugendlichen (N= 2.232) finden wir während der Corona- Pandemie bei 74.8% weniger körperliche Aktivität, bei 44.2% weniger Tageslichtexposition und bei 85% eine stark gestiegene Smartphone/Tablet Nutzung während der Pandemie bzw. Lock-Downs (vgl. https://doi.org/10.31219/osf.io/9m36r. Zudem zeigt sich auch hier eine Verschiebung des Schlaf-Wach Rhythmus zu späteren Zeiten (bei 94%), mehr Bettzeit, und dennoch eine subjektive Verschlechterung der Schlafqualität. Eine alarmierende Zahl von 33.3-45.3% je nach Altersgruppe berichten nun sogar subjektiv über Schlafprobleme (vgl. Bothe et al., in preparation).

 

Wenn das Korsett sozialen Timings sich lockert – Wirkung des ‘Lockdowns’ auf Schlaf-Wach-Rhythmen und Schlafqualität

Blume, Christine1,2
 1Transfakultäre Forschungsplattform molekulare und kognitive Neurowissenschaften, Universität Basel, Birmannsgasse 8, CH-4055 Basel, Schweiz

2Zentrum für Chronobiologie, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Wilhelm-Klein-Str. 27,
CH-4002 Basel, Schweiz

Hintergrund: Menschliche Ruhe-Aktivitäts-Rhythmen resultieren in modernen Gesellschaften immer aus einer Interaktion zwischen externer sozialer (z.B. Arbeitszeiten) und innerer biologischer Zeit. Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden wird als Ursache für den sog. "sozialen Jetlag" (SJL) und "soziale Schlafrestriktion" (SSR) vermutet, d.h. zeitliche Verschiebungen des Schlaffensters und Unterschiede in der Schlafdauer zwischen Arbeitstagen und freien Tagen. Wenngleich die genauen Wirkungsbeziehungen noch unbekannt sind, wurden SJL und SSR in der Literatur wiederholt mit negativen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht. 

Methoden: In der vorliegenden Studie untersuchten wir die Auswirkungen des ersten COVID-19-Shutdowns auf die Beziehung zwischen sozialen und biologischen Rhythmen und Schlaf während eines sechswöchigen Zeitraums (23. März-26. April 2020) in einer einmaligen Online-Umfrage. Die Stichprobe umfasste 435 Befragte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Datenauswertung erfolgte mit

Ergebnisse & Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigten, dass der Shutdown mit einem verbesserten individuellen Schlaf-Wach-Timing assoziiert war, was sich in einer Reduktion von SJL (mdn=13 min; p<.001, RTE=.36) und SSR (mdn=25 min; p<.001, RTE=.41) zeigte. Insgesamt schliefen die Umfrageteilnehmer:innen auch mehr (mdn=13 min; p<.001, RTE=.56), besonders an Arbeitstagen. Insbesondere spätere Chronotypen profitierten von der Lockerung sozialer Rhythmen. Die Schlafqualität nahm allerdings leicht ab (mdn=0.25 Punkte [Skala 0-25]; p=.026, RTE=.53), was am Ehesten auf den Stress und die individuellen Belastungen zurückzuführen ist, die diese nie dagewesene Situation verursachte. Die negativen Auswirkungen auf die Schlafqualität konnten durch Tageslichtexposition und körperliche Bewegung abgeschwächt werden.

 

Wachmacher Koffein – Mythos oder Wahrheit?

C. Reichert
Centre for Chronobiology, Psychiatric University Clinics Basel; Centre for Cognitive Neuroscience, University of Basel; Transfaculty Research Platform, University of Basel

Koffeinkonsum ist fest im Alltag vieler Kulturen weltweit verankert. Umfragen zeigen, dass etwa 80% der Bevölkerung Koffein konsumieren, meist um eine Leistungssteigerung zu erzielen und Müdigkeitsgefühle während des Tages zu reduzieren. Gleichzeitig ist eine Einnahme am Abend selten, damit der Schlaf ungestört bleibt. In der Tat zeigt eine Reihe von Untersuchungen, dass Koffein typische elektro-enzephalographische Marker des Schlafdrucks dämpft (beispielweise die sog. sleep slow-wave activity, SWA) und den zirkadian bestimmten, abendlichen Anstieg des Dunkelhormons Melatonin unterdrückt oder verschiebt. Diese Daten wurden allerdings sehr häufig nach einer Extradosis Koffein am Abend und/oder nach einer Phase der Abstinenz erhoben, d.h. unter Bedingungen, die das Konsummuster im Alltag nur ungenügend widerspiegeln. In einer aktuellen Studie haben wir daher die Auswirkungen von täglichem Koffeinkonsum am Morgen, Vormittag und Nachmittag untersucht. Schon nach acht Tagen waren subjektive Wachheit und Vigilanzleistung in der Koffeinbedingung nicht mehr eindeutig zu unterscheiden von Werten, die nach acht Tagen Placebo gemessen wurden. Zudem haben wir erste Evidenz, dass die zirkadianen Effekte des Koffeins stark vom Zeitpunkt der Einnahme abhängen, sodass eine Melatoninunterdrückung nur nach höheren Dosen am Abend zu erwarten ist. Auch der Schlaf passt sich je nach Dosis und Einnahmezeitpunkt an den Konsum an. Nach acht Tagen eines wiederkehrenden Konsums morgens, vormittags und nachmittags beobachteten wir keine signifikanten Veränderungen der SWA im Vergleich zu Placebo, allerdings eine reduzierte Leistungsdichte im sigma Bereich, die einen beginnenden Entzug in der Nacht widerspiegeln könnte. Insgesamt ist Koffein also nur bedingt als Wachmacher zu bezeichnen. Konsumieren wir tagtäglich diese psychoaktive Substanz, so sind Anpassungen die Folge, deren langfristige Auswirkungen bisher weitgehend im Dunkeln liegen.

 

Normale und seltsame EEG Muster im Schlaf: Beispiele und Stellenwert im Laboralltag

Franz Stefan Höger
LKH Graz II, Abteilung für Neurologie

Durch Schlaf lassen sich provozieren:
Synchrone schlafspezifische Muster (N1-3, REM), marginale Muster unklarer Signifikanz und pathologische Muster der Hirnaktivität.

Physiologisch treten folgende schlafspezifische Muster auf:
Wachzustand: Alpha Grundrhythmus, Grundrhythmusvariante, zentraler My- Rhythmus, jugendliche posteriore Deltawellen oder Lambda-Wellen.  
Schlaf-Stadium N1(Non-REM-1): Alpha-drop-out, Slow eye movements (SEM), subvigiles Beta, hypnagoges Theta und Vertexwellen sowie POSTS- positive okzipitale scharfe Wellen im Schlaf.
Schlaf-Stadium N2: Schlafspindeln und K-Komplexe. Verlangsamung des EEG.
Schlaf- Stadium N3: Verlangsamung mit deutlicher Delta-Aktivität.
REM Schlaf-Stadium: Schnelle Augenbewegungen (REM), Sägezahnwellen, reduzierter oder schlaffer Muskeltonus, Hintergrund-EEG unregelmäßig niedrigamplitudig und gemischt frequent.  

Marginale Muster sind am Rande des Normalen und eher selten. Sie zu kennen ist wichtig zur Abgrenzung von eindeutig pathologischen – etwa epileptischen- Mustern: Marginale Muster weisen keine Evolution auf d.h. sie sind in der Regel frequenzstabil, amplitudenstabil und lokalisationsstabil. Sie treten eher bei jüngeren Personen im Wachzustand und im Leichtschlaf auf und verschwinden dann in tieferen Schlafstadien:
Mittellinien- oder Ciganek- Rhythmus, Rhythmisches mitt- temporales Theta der Schläfrigkeit (früher: psychomotor-variant-Muster), Subclinical Rhythmic Electrographic Discharges in Adults (SREDA), 6Hz spike- and – slow - wave (Phantom-SW) Muster, 14 und 6/s positive Spitzen, Small sharp spikes und Wicket- Spikes. 

Pathologische Muster der Hirnaktivität: Herdbefunde.
Polymorphe Delta-Herde und IRDA- Befunde (Intermittierende rhythmische Delta-Aktivität) verschwinden mit zunehmender Schlaftiefe, lateralisierte periodische Entladungen können persistieren. Eine Sonderform ist der Breach- (Knochenlücken-)Rhythmus, der durch höhergespannte Beta- Alpha-Theta-My Aktivität gekennzeichnet ist und Charakteristika lokaler Hirnaktivität – wie etwa der lokalen Blockadereaktion- aufweist.

Pathologische Muster der Hirnaktivität: Epilepsietypische Potenziale.
Durch die kortikale Synchronisation im Schlaf wird – ebenfalls synchrone- epileptische Aktivität getriggert, es entstehen epilepsietypische Potenziale (ETP). In der Regel treten sie im N1-3 auf und nur selten in R, häufig an den Schnittstellen zwischen den Schlafstadien. Derartige interiktuale Spikes können fokal oder generalisiert auftreten und erscheinen oft irregulär konfiguriert.  Im Unterschied zu marginalen Mustern besteht oft eine Evolution hinsichtlich Frequenz, Amplitude, Rhythmik und Ausbreitung. ETP treten zum Teil nur im Schlaf auf (zirkadiane Rhythmik der Epilepsien wie bei Frontallappenepilepsien), oder im Schlaf und tagsüber. Aus diesem Grund sind oft weitere Provokationsmethoden wie eine Schlafentzugs- Schlafableitung oder ein Video-EEG Monitoring notwendig. Auf jeden Fall muss ein EEG nach dem 10-20-System sauber abgeleitet werden. Bei Verdacht auf ETP ist eine entsprechende Zuweisung zu veranlassen.

 

Medikamentöse und alternative Therapiestrategien bei Parasomnien

Elisabeth Brandauer
Univ.Klinik für Neurologie Innsbruck, Schlaflabor

Unter Parasomnien versteht man abnorme Verhaltensweisen im Schlaf. Die Internationale Klassifizierung der Schlafstörungen (ICSD-3) unterscheidet NREM-bezogene Parasomnien, REM-bezogene Parasomnien und andere Parasomnien. Eine Therapie von Parasomnien ist insbesondere notwendig bei Gefahr von Selbst- und Fremdgefährdung, bei Beeinträchtigung des Bettpartners, bzw. wenn es durch wiederholte Ereignisse zu einer Schlaffragmentierung mit konsekutiver Tagesmüdigkeit kommt. Die gängigen medikamentösen Therapien fußen vorwiegend auf Einzelfallberichten, Fallserien und einigen kontrollierten Studien mit geringen Fallzahlen.
Zur Therapie von NREM-Parasomnien sind häufig bereits allgemeine Maßnahmen ausreichend. Insbesondere sind regelmäßige und ausreichende Schlafzeiten einzuhalten und arousalauslösender Lärm zu vermeiden. Substanzen, die NREM-Parasomnien auslösen können, sollen vermieden werden, z.B. Benzodiazepinrezeptoragonisten („Z-Drugs“) oder Alkohol. Schlafkomorbiditäten wie schlafbezogene Atmungsstörungen oder periodische Beinbewegungen sollten behandelt werden. Wichtig ist die Absicherung der Schlafumgebung. Bei den medikamentösen Therapien werden bei den Arousalstörungen (Confusional Arousals, Schlafwandeln, Pavor nocturnus) in erster Linie Clonazepam bzw. bei Kindern L-5-Hydroxytryptophan eingesetzt. Auch Antidepressiva sind als wirksam beschrieben. Bei den schlafbezogenen Essstörungen kommen in erster Linie Antidepressiva aus dem Kreis der SSRI wie Fluoxetin und Paroxetin zum Einsatz, auch das Antiepileptikum Topiramat. Bei gemeinsamem Auftreten von Restless Legs Syndrom und schlafbezogener Essstörung ist die Wirksamkeit von Pramipexol beschrieben. Als alternative Therapiemöglichkeiten für die NREM-Parasomnien stehen z.B. geplantes Wecken, Hypnose oder verschiedene psychotherapeutische Methoden zur Verfügung.
Bei der Therapie von REM-bezogenene Parasomnien sind insbesondere bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) allgemeine Maßnahmen wie Absicherung der Schlafumgebung wichtig. Als Medikation kommen bei der RBD in erster Linie Clonazepam und Melatonin in Frage. Als alternative Therapie ist die „Alarm-Therapie“ mit Einsatz von beruhigenden Worten eine Möglichkeit.
Zur Therapie der Albtraumstörung sind Z.B. Image Rehearsal Therapie, Self exposure Therapie und lucides Träumen als wirksam beschrieben. Medikamentös ist der Einsatz von Prazosin oder Clonidin insbesondere bei Albträumen bei posttraumatischen Belastungsstörungen möglich, oder Antidepressiva. Isolierte Schlafparalysen können auf Trizyklische Antidepressiva oder SSRIs ansprechen. Die Aufklärung über die Gutartigkeit der isolierten Schlafparalyse ist wichtig.

Telemedizin in der Schlafambulanz – Belastung oder Nutzen?

R. Popovic
Schlaflabor Franziskusspital, Wien, und Schlaflabor Landesklinikum Melk

Besonders in Zeiten der Pandemie stieg der Bedarf an räumlich getrennter Datenerfassung und Kommunikation. Eine telemetrische Möglichkeit Therapiedaten aus den CPAP-Geräten auszulesen, verbessert erfahrungsgemäß nicht nur die Compliance, sondern bietet ohne großen Aufwand die Möglichkeit, auch zeitnah auf Probleme zu reagieren.
Auch wenn es Unterschiede bei der graphischen Oberfläche gibt, überlappen sich die erfassten Daten im Vergleich der beiden vorgestellten Apps von Respironics und ResMed. Besonders gefällig war die Möglichkeit, jeden einzelnen Atemzug der vergangenen Nacht und die entsprechende Druckantwort graphisch darzustellen. Da auch eine Druckumstellungen aus der Ferne möglich ist, erspart dies mehrfache physische Besuche in der Schlafambulanz, und dadurch auf beiden Seiten Zeit und Geld.
Eine im Franziskusspital durchgeführte Studie, die zugleich Bachelorarbeit von Frau Magdalena Herl war, konnte zudem auch zeigen, dass die Machbarkeit solch einer telemetrischen Überwachung bei den Patienten große Akzeptanz fand. Hier wurde eine Gruppe von 25 überwiegend männlichen Patienten, bei denen eine tägliche Datenauslesung aus den Therapiegeräten stattfand, einer gleich großen Kontrollgruppe gegenübergestellt. Wie zu erwarten, konnte bei der Gruppe mit intensiver Betreuung eine verbesserte Compliance sowie auch Therapieakzeptanz gefunden, und zusätzlich auftretende Probleme rascher beseitigt werden. Damit wäre der Einzug in den klinischen Alltag möglich.

 

Medikamentöse Therapie der Schlafapnoe – Was gibt es Neues?

R. Popovic
Schlaflabor Franziskusspital, Wien, und Schlaflabor Landesklinikum Melk

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine weit verbreitete Erkrankung, charakterisiert durch repetitive Verschlüsse der oberen Atemwege im Schlaf. Die derzeit häufigste Therapieform, und zugleich State oft he Art, ist die nächtliche Überdruckbeatmung. Auf der Suche nach Alternativen werden dzt. viele unterschiedliche Substanzen getestet, die vor allem auf die unterschiedlichen Endotypen der OSA abzielen.
Zu den am besten untersuchten Substanzen zählen solche mit serotonerger, noradrenerger, oder Muskarin-Rezeptor-blockierender Wirkung, oder auch Kombinationen dieser. Zielrichtung ist ein verstärkter Muskeltonus der den Atemweg dilatierenden Muskeln nachts, eine Erhöhung der Arousalschwelle oder Stabilisierung des Loop Gain. Benzodiazepine können mitunter trotz Verlust des Muskeltonus durch Erhöhung der Arousalschwelle eine positive Wirkung entfalten, wohingegen Z-Substanzen keine solche Wirkung gezeigt haben.
Trotz aller Anstrengungen konnte bislang hier noch kein klarer Durchbruch erreicht werden, was sicher auch an den kleinen Fallzahlen und der Vielzahl unterschiedlicher Substanzen, die bislang getestet wurden, liegt.  

 

Schlaflose Kinder, müde Eltern - Das Zürcher 3-Stufen Modell

Dr. med. Caroline Guyer
FMH Kinder- und Jugendmedizin, Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie, Praxis in der Mühle Tiefenbrunnen, Zürich, Schweiz

Voraussetzung für eine Schlafberatung ist neben einer ausführlichen Anamnese (Schlafbegebenheiten, Ausschluss organischer Ursachen) das vorgängige Ausfüllen eines 24-h Schlaf-Wach-Protokolls über 14 Tage.
Ausserdem stellt bereits die Erläuterung der schlafphysiologischen Grundlagen einen hohen therapeutischen Wert dar. Die Beratung und Umsetzung folgen anschliessend den 3 Punkten des Zürcher 3-Stufen Modelles, wobei die Abfolge der drei Punkte relevant ist:

1. Regelmässiger Rhythmus: Ein regelmässiger Tagesrhythmus mit sich wiederholenden Aktivitätsformen (Essen, aktives Spielen, Spaziergänge, ruhigere Aktivitäten, Schlafen) unterstützen die Synchronisation der inneren Uhr mit dem 24 Stunden Tag-Nacht Rhythmus, und begünstigen die Reifung des zirkadianen Rhythmus. Konkret analysiert man das Schlafprotokoll im Hinblick auf die Essenszeiten und erörtert die Zeiten, in denen das Kind eher wach («Wachgate») und eher müde («Schlafgate») ist. Tagschlafphasen werden vorzugsweise vor oder nach dem Essen geplant. Bei einem Säugling unter 6 Monaten ist primär die Rhythmisierung der Essenszeiten möglich. Bei älteren Kindern wird die zusätzliche Rhythmisierung der Schlafphasen am besten zusammen mit dem nächsten Punkt angegangen:

2. Anpassen der Bettzeit an den Schlafbedarf: Der zweite Punkt beinhaltet die Berücksichtigung der Schlafhomöostase und deren Entwicklung. Der individuelle Schlafbedarf wird anhand des Protokolls ermittelt (Mittelwert der Anzahl Stunden effektiver Schlaf (ohne nächtliche Wachphasen)/d). Das Kind soll nun nur solange ins Bett gelegt werden, wie es auch effektiv schlafen kann. Ist die Bettzeit grösser als der effektive Schlafbedarf, führt dies entweder zu verzögertem Einschlafen, verfrühtem Aufwachen oder zu einer längeren oder mehreren kürzeren nächtlichen Wachphasen. Durch das Anpassen der Bettzeit an den individuellen Schlafbedarf wird der Schlaf konsolidiert und die physiologischen Wachphasen zwischen zwei Schlafzyklen so kurzgehalten, dass das Kind sofort und wenn möglich ohne zusätzliche Hilfe wieder weiterschläft. Die errechnete Schlafdauer kann durch die Eltern (fast) frei über den Tag verteilt und auf ein neues Protokoll eingetragen werden. Für die Verteilung der Tagschlafepisoden sind folgende Punkte wichtig: das Alter, der Schlafbedarf (je tiefer desto mehr kurze Tagschlafepisoden sind nötig), der zirkadiane Rhythmus (kürzere Schlafintervalle morgens vs. abends) und die Schlafhomöostase (mit zunehmendem Alter ist eine längere Wachphase möglich, kein Schlaf 4 Stunden vor dem Nachtschlaf). Die Umstellung benötigt mindestens 14 Tage. Während dieser Zeit ist mit Unzufriedenheit des Kindes tagsüber und mit noch fehlender Antwort in der Nacht zu rechnen. Es sollte dementsprechend antizipierend beraten und Entlastungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

3. Selbständiges Einschlafen (ab einem Alter von 6-9 Monaten empfohlen): Bei einer Grosszahl der Kinder reduzieren sich die nächtlichen Wachphasen oder die abendlichen Einschlafprobleme durch das Anwenden von Punkt 1 und 2 stark. Persistierende Einschlafschwierigkeiten können in einem letzten Schritt durch gleichbleibende Rituale am Abend (bereiten das Kind auf die kommende Schlafphase vor) und durch graduelles Entwöhnen ungewünschter Verhaltensweisen angegangen werden. Kann ein Kind abends nur mit einem Elternteil einschlafen, kann sich dieser über die nächsten Tage langsam immer mehr zurückziehen. Je nach kindlicher Selbständigkeit verläuft dies schneller oder langsamer. Voraussetzung ist jedoch ein genügend hoher Schlafdruck mit kurzer Einschlaflatenz (max 5 Minuten), was nur nach vorgängiger Rhythmisierung und Anpassung/Einübung der Bettzeit an den individuellen Schlafbedarf möglich ist.

 

Was macht COVID-19 mit dem Schlaf unserer Kinder?

Reinhold Kerbl
LKH Hochsteiermark/Leoben, Abteilung für Kinder und Jugendliche

Die COVID-19 Pandemie, insbesondere aber auch die damit assoziierten Maßnahmen wie Lockdowns und Schulschließungen können nicht nur das psychosoziale Wohlbefinden beeinträchtigen, sondern (u.a. durch Störung der Tagesstruktur) auch das Schlafverhalten. Auch wenn die Beobachtungszeit noch kurz ist, gibt es doch schon zahlreiche wissenschaftliche Berichte zu dieser Thematik – einige Aspekte werden hier herausgegriffen.

Eine Literatursuche in der Datenbank PubMed mit der Stichwortkombination „COVID-19 + sleep + children“ erbrachte über 300 Treffer. U.a. wurden folgende Beobachtungen gemacht:

•    Für Babies und Kleinkinder zeigte sich während der Lockdowns eine schlechtere Schlafqualität. Stress für die Eltern dürfte dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben.
•    Bei Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen gingen Lockdowns und Schulschließungen großteils mit längeren Schlafzeiten einher.
•    Der „soziale Jetlag“ wurde durch Distanzunterricht und Home Office reduziert.
•    Sowohl Bettgehzeiten als auch Aufstehzeiten wurden nach hinten verschoben (von „Lerche“ in Richtung „Eule“).
•    Während der Lockdowns wurde vielfach auf Wecker verzichtet.
•    Verringerte körperliche Aktivität und längere Bildschirmzeiten korrelierten mit weniger Schlaf.
•    Teilweise wurden Angststörungen, depressives Verhalten und andere psychische Störungen in Verbindung mit Insomnie und fragmentiertem Schlaf beschrieben.

Die bisher vorliegende Literatur zeigt, dass COVID-19-assoziierte Lockdowns und Schulschließungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können.

Die bei fehlendem „Taktgeber“ beobachtete generelle Phasenverschiebung nach hinten legt nahe, dass die Winterzeit eher unserem natürlichen Rhythmus entspricht als die Sommerzeit.

 

Der Schlaf von Kindern und Jugendlichen in Österreich während der Corona- Pandemie – Ergebnisse der Salzburger Umfrage „Jetzt sprichst Du“

Kathrin Bothe
Labor für Schlaf-, Kognitions- und Bewusstseinsforschung, Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften (CCNS), Universität Salzburg

Im Vortrag werden die schlafbezogenen Ergebnisse der Salzburger „Jetzt Sprichst Du“-Umfrage vorgestellt, die zwischen 19. Februar und 18. April 2021 online durchgeführt wurde. Ziel der Umfrage war es, herauszufinden, ob (1) sich der Schlafrhythmus von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie verschoben hat, (2) es eine Veränderung der Schlafqualität oder beim Auftreten von Schlafproblemen gab und ob (3) es weitere Faktoren gab, die den Schlaf von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie beeinflussten. Insgesamt nahmen 2290 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren an der Umfrage teil (6-10-Jährige: N=375; 11-14-Jährige: N=962; 15-18-Jährige: N=953). Die Ergebnisse zeigten, dass sich der Schlafrhythmus unter der Woche und am Wochenende (Zubettgeh- und Aufstehzeiten) über alle Altersgruppen hinweg bei jeweils ca. der Hälfte der Befragten verändert hat. Beim Großteil handelte es sich dabei um eine Verschiebung der Zubettgeh- und Aufstehzeiten nach hinten (0,5 bis > 2 Std.). Bezüglich der Schlafqualität ergab die Umfrage, dass diese während der Corona-Pandemie bei etwa einem Drittel aller Befragten schlechter bis sehr viel schlechter geworden ist. Zudem berichteten durchschnittlich 38% der Befragten über das Vorhandensein von Schlafproblemen während der Corona- Pandemie - davor waren es durchschnittlich 21%. Damit ergab sich über alle Altersgruppen hinweg nahezu eine Verdoppelung der Schlafprobleme während der Corona-Pandemie. Des Weiteren zeigte sich, dass die Schlafprobleme umso häufiger auftraten (bzw. die Schlafqualität umso schlechter war), je mehr Angst die Befragten vor der Corona-Pandemie hatten. Als häufigste Schlafprobleme wurden dabei Ein- und Durchschlafstörungen, gefolgt von Albträumen (6-14-Jährige) oder Tagesmüdigkeit (15-18-Jährige) genannt. Die Umfrage ergab zudem, dass die Befragten häufig über unregelmäßig gewordene Zubettgehzeiten, weniger bis sehr viel weniger Bewegung und einen starken bis sehr starken Anstieg des Medienkonsums berichteten – Faktoren, die dazu beitragen können, die allgemeine Schlafqualität zu verschlechtern. Zusammenfassend zeigen die Daten ein verändertes Schlafverhalten und ein Anstieg von Schlafproblemen bei Kindern und Jugendlichen (6-18 Jahre) während der Corona-Pandemie.

 

Projekt Schulische Gesundheitsförderung zum Thema Schlaf und Gesundheit

Kerstin Hödlmoser, Kathrin Bothe & Veronika Kapser
Labor für Schlaf-, Kognitions- und Bewusstseinsforschung, Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften (CCNS), Universität Salzburg

Schlafstörungen sind nicht nur in der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet - auch im Grundschulalter zeigt sich ein hohes Schlafdefizit und eine bemerkenswerte Anzahl der Kinder berichtet von Schlafstörungen. Des Weiteren ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Verhaltensauffälligkeiten zu beobachten, was sich auch in unserer eigenen Umfrage bei 8- bis 11-jährigen Kindern in Salzburg bestätigte. Die Befundlage, dass Schlafstörungen die körperliche Entwicklung sowie die kognitive Leistungsfähigkeit und die Emotionsregulation beeinflussen verdichtet sich zunehmend und wir empfehlen daher gesundheitspsychologische Maßnahmen, wie beispielsweise sogenannte „Schlafedukationen“, in Schulen anzubieten, um Schlafproblemen frühzeitig entgegenwirken zu können. Je mehr wir und unsere Kinder über den Schlaf wissen, desto besser können wir Schlafstörungen vorbeugen und diese beheben. Die Österreichische Gesundheitskasse in der Steiermark hat deshalb gemeinsam mit der Universität Salzburg das gesundheitspsychologische Projekt „Schlaf und Gesundheit“ ins Leben gerufen. Sowohl für Lehrer*innen als auch für Schüler*innen werden Workshops zu den Themen (1) Schlafbiologie, (2) Schlafhygiene, (3) Smartphone & Schlaf und (4) Umgang mit Schlafproblemen angeboten. Die Lehrmethoden sind vielfältig (Vortrag, Fallbeispiele, Übungen wie Führen eines Schlafprotokolls sowie Ausfüllen diverser Fragebögen als auch Interventionstechniken wie beispielsweise Entspannungsübungen). Ein Skriptum basierend auf den Vortragsunterlagen dient vor allem den Lehrer*innen als Lehrgrundlage. Des Weiteren werden Stundentafeln angeboten, welche die Lehrer dann dazu nutzen können, um das Thema selbst zu unterrichten. Eine laufende Qualitätskontrolle mittels Evaluationsfragebogen basierend auf universitären Lehrveranstaltungsevaluationen sowie auf den Fragebögen vorangegangener Projekte (z.B. Tägliche Bewegungseinheit an Schulen) wird umgesetzt. Alle steiermärkischen Schüler*innen (ca. 6000) im Alter von 10-14 Jahren bekommen das Buch „Clever schlafen Lernen“, welches von Kerstin Hödlmoser und Sigrun Eder entwickelt wurde gratis ausgehändigt. Nach einer Evaluation dieser zunächst in der Steiermark durchgeführten Pilotphase sollen basierend auf den gewonnenen Informationen Multiplikator*innen für die Überführung dieser Inhalte in den Regelbetrieb der Schulen ausgebildet werden, damit das Projekt letztendlich durch die ÖGK österreichweit umgesetzt werden kann.

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